Warum eine Erdbeere Microlearning ist… | A strawberry is microlearning…

Im Kontext des Lernens mit Kurzformaten erscheinen viele Begriffe, Schlagwörter und Trends – versuchen wir, ein bisschen Klarheit hinein zu bringen…

Informelles Lernen umfasst alle Lernprozesse, die in Lebens- und Erfahrungszusammenhängen außerhalb des formalen Bildungskontextes entstehen. Charakteristisch für informelles Lernen ist, dass es in Bezug auf Lernziele und -zeiten nicht strukturiert und nicht institutionell organisiert ist und nicht pädagogisch begleitet wird. Wer also die Antwort auf eine drängende Frage im Internet recherchiert – lernt informell. Wer sich von seinem Nachbarn über die verschiedenen Einrichtungsmöglichkeiten von Zierfischaquarien aufklären lässt – lernt informell. Wer seinen Kollegen dabei beobachtet, wie er es schafft, bei Word die Kapitel-Überschriften in die Kopfzeile zu bringen – lernt informell.

Microcontent sind kleine, lose gekoppelte Informationsbausteine. Dabei handelt es sich um eine bestimmte abgrenzbare Einheit von Informationen, die nicht ohne Bedeutungsverlust gekürzt werden kann. Ein Karteikärtchen mit 5 Vokabeln –  ist Microcontent. Ein Blogeintrag (wie dieser), der genau auf eine Seite passt – ist Microcontent. Ein Glossarbegriff, der der bei Mouseover in einem Fenster angezeigt wird – ist Microcontent.

Rückt Microcontent in einen Lehr-/Lernkontext, wird er zum Gegenstand einer Microlearning-Aktivität. Damit kommt zusätzlich eine zeitliche Komponente hinzu. Denn beim Microlearning geht es um Lernaktivitäten, die kurz sind. Wer also 3 Karteikärtchen mit jeweils 5 Vokabeln durcharbeitet bevor der Bus kommt – lernt „micro“. Wer sein Englisch auffrischen möchte und „One-Word-A-Day“ über einen E-Mail-Service abonniert und jeden Werktag eine neue Redewendung erhält – lernt „micro“. Wer im Internet bezüglich der dringenden Frage recherchiert, ob die Erdbeere aus botanischer Sicht tatsächlich zu den Nüssen gehört – lernt „micro“.

So weit, so gut – oder gibt es noch mehr Wörter mit der Vorsilbe „micro“?

Und ja, entgegen ihrem Namen zählt die Erdbeere aus botanischer Sicht nicht zu den Beeren, sondern zu den Sammelnussfrüchten. Die grünen Einzelfrüchte (Nüsse) sitzen nämlich auf dem roten Blütenboden. Ist das jetzt Microlearning?

In the context of Microlearning, there are many terms, keywords and trends – we will try to clarify those… Informal learning means all learning processes that develop in life and experience relationships outside of the formal educational context.  One of the characteristics of informal learning is, that it is not organized institutionally and it is not accompanied educationally. For example, if you are serving the web for an answer to an urgent question – you learn informally. Microcontents are small, loosely combined information modules. It is a unit of information that cannot be reduced without loss of meaning. An index card with five vocabularies for instance – is microcontent. If you are using microcontent in a context of teaching and learning, it becomes the subject of a microlearning activity.  A temporal component is added because micro learning activities are short. For example, if you are surfing the internet, whether the strawberry belongs in fact to the nuts in a botanical point of view – you learn „micro“.

So far as – or are there more words with the prefix „micro“? And yes – despite its name – from a botanical point of view the strawberry does not belong to the berries, but to the single nut fruits. The green single fruits (nuts) are sitting on the red receptacle. Is this microlearning?

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Eine Antwort zu Warum eine Erdbeere Microlearning ist… | A strawberry is microlearning…

  1. anjalorenz schreibt:

    Hallo,
    erst einmal möchte ich natürlich den Artikel selbst loben: es ist gut und wichtig, wenn in diesen Begriffswust immer mal wieder versucht wird, Ordnung zu bringen.
    Mit Prof. Schoop hatte ich in Zittau und auch im Rückblick darauf aber eine Diskussion, die eigentlich genau auf Eure Frage zur Erdbeere („Ist das jetzt Microlearning?“) hinausläuft: Wann kann ich denn das Lesen einer Information als „Lernen“ bezeichnen. Die Definitionen dazu reichen sehr weit, siehe z.B. hier http://beat.doebe.li/bibliothek/w00051.html . Demnach könnte es schon Lernen, damit auch Microlearning sein, wenn ich morgen noch weiß, dass eine Erdbeere eine Nuss ist (wobei das geschummelt ist, weil das bei „Wissen macht Ah!“ schon einmal Thema war). Nach anderen Definitionen (eher behavioristisch geprägt) wäre es erst Lernen, wenn ich mein Verhalten daraufhin ändern würde – aber sollte ich daraufhin anfangen, Erdbeeren Weihnachten mit dem Nussknacker zu öffnen? Ich glaube, dann führt man in der Erzgebirgsvorlandstadt Chemnitz die Todestrafe wieder ein.
    Ich glaube aber nicht, dass das ein endgültig lösbares Problem ist, sondern dass wir hier nur mit der Qualität des Lernens weiterargumentieren können: dass es nämlich einen Unterschied macht, ob ich etwas weiß, oder ob ich es anwenden, vergleichen usw. kann. Oder nach Brian O’Driscroll: „Knowing that a tomato is a fruit is knowledge. Knowing not to put one in a fruit salad is wisdom.“

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